Gemümmel, Unterwegs

Frau Hase unterwegs… die isländische Kultur (aus deutscher Sicht)

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Bacon, Eggs und Würstchen auf der Terrasse gegrillt. Warum nicht?

Nirgendwo ist man so deutsch wie im Ausland. Die meisten Menschen in meinem Alter würden diesem Spruch sicher für sich widersprechen. Schließlich sind wir in einer globalisierten Welt aufgewachsen, schauen mehr amerikanische als deutsche Serien, essen mehr Sushi und andere exotische Gerichte als Schnitzel und Sauerkraut. Das macht uns aber noch nicht zum Auslandsexperten – und Fettnäpfchen lassen sich auch bei vermeintlich ähnlichen Kulturen nicht vermeiden. Hier mal eine kleine Zusammenfassung von Dingen, die mir persönlich in meiner bisherigen Zeit in Island aufgefallen sind.

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Essen und Trinken

„Eating like a local“, da ich mit einer isländischen Familie lebe, bleibt mir ja nichts Anderes übrig. 😉  Das Nahrungsgrundlage in Island bilden Fisch und Fleisch. Es gibt eigentlich immer ein Gericht, dass Fleisch in irgendeiner Form beinhaltet. Meistens handelt es sich dabei um Lamm in allen Variationen. Rind oder Schwein gibt es so gut wie gar nicht. Das hat zum einen mit Tradition zu tun, zum anderen damit, dass es in Island schlicht schwierig ist, Gemüse anzubauen. Die Erde ist hart, steinig, unfruchtbar. Dazu herrschen arktische Temperaturen, weshalb das meiste Gemüse und fast alles Obst importiert werden muss und deshalb teuer ist. Dafür gibt es mehr als genug Fisch. Außerdem lieben Isländer es, ihr Essen in Soßen zu ertränken. Die Kühlschränke stehen voll mit Plastikflaschen mit den unterschiedlichsten Soßen.

Den gekochten Schafskopf habe ich allerdings noch nirgends gesehen. Einmal habe ich meine Gastmutter darauf angesprochen, sie hat dazu aber nur die Augen gerollt. Nach dem gegorenen Hai habe ich danach erst gar nicht gefragt….

Gut, meine Gastfamilie ist nun schon 60+ und wohnt in einem kleinem Kaff, ist aber recht offen für Neues. Dennoch kann ich mir gut vorstellen, dass junge Familien in Reykjavik anders essen. Bei mir zu Hause kommt auch nicht mehr das gleiche auf den Tisch, wie noch bei meinen Eltern.

Walfang ist ein schwieriges Thema, wie ich schon in meinem letzten Post geschrieben habe…

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Die quadratischen Burger der Hamborgarafabrikkan
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Bacon, Eggs und Würstchen auf der Terasse gegrillt. Warum nicht?

 

Unterhaltungen

Man begrüßt sich eigentlich immer mit „Góðan daginn“, also Guten Tag. „Hi“ geht auch. Ich sage meistens „Hello“, damit mein Gegenüber nicht gleich anfängt, isländisch mit mir zu sprechen, sondern weiß, dass da ein Touri vor ihm steht… So spare ich mir, dass der- oder diejenige alles nochmal wiederholen muss. Sicherlich nicht die eleganteste Art, aber leider reicht mein isländisch kaum über ein paar Standartfloskeln hinaus.
Einfach nur zur Begrüßung zu nicken, reicht anscheinend nicht. Habe ich ein paar Mal so gemacht, wurde aber eher missbilligend gesehen. Also Zähne auseinander! Die allermeisten Isländer können Englisch, zumindest für die gröbste Konversation. Im Restaurant oder Geschäften kann man eigentlich davon ausgehen, dass man mit Englisch weiterkommt. In den Städten gibt es die Speisekarte auch immer in zwei Sprachen.

Wird man jemanden vorgestellt, gibt man die Hand. Nix Küsschen links rechts, das macht man erst, wenn man Freunde oder Familie begrüßt. Und selbst dann ist man damit eher zurückhaltend. Das spart man sich für den Abschied auf. Freunde/Familie werden dann auch gerne herzliche gedrückt.

Was mich am Anfang verwirrt hat: Wenn man jemanden nicht verstanden hat sagt man: „Hhhaa?“ oder auch „Hmmm?“ (es gibt bestimmt auch eine isländische Floskel dafür, aber umgangssprachlich sind diese zwei Worte). Für mich waren das immer Worte/Laute, die ich zum Ausdruck von Überraschung oder Nachdenken geantwortet habe. Es hat ein bisschen gedauert, bis ich kapiert habe, warum mein Gegenüber seinen letzten Satz wiederholt, wenn ich gehmmmt habe.

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Chuck Norris Grill in Reykjavik

Wohnen und Dekorieren

Ok, das ist nun wirklich Geschmackssache. Aber wer den nordischen, eher schlichten Schick wie z.B. in Schweden erwartet, liegt in Island falsch. Natürlich kann ich nicht für alle sprechen, aber egal wo ich bisher war, gab es immer viel zu sehen. Regale, Fensterbänke, Wände – man scheint Nippes aller Art zu mögen und platziert Zeug überall. Zum Teil erinnert es mich an Häuser von alten Menschen in Deutschland. Püppchen, Tässchen, Souvenirs, Trockenblumen, gestickte Bilder. Das wird von vielen als schön empfunden. Hängt wohl auch mit der Kultur zusammen. Mir ist aufgefallen, dass Gäste des Guesthouse (in dem man auch viel Krimskrams findet) ganz unterschiedlich darauf reagieren. Mitteleuropäer finden es eher nicht so toll. Osteuropäer scheinen sich hingegen deswegen besonders wohl zu fühlen.

Was in Island auch beliebt ist, sind Bücher mit altmodischer Lederbindung. In jedem Haushalt findet man Regale mit dicken, dunklen Schmökern, die meistens Geschichts- bzw. Jahresbücher sind. So wie ich das mitbekommen habe, sind diese Bücher vor allem dekorativ und dienen als Statussymbol. Ok, hier weiß ich nun wirklich nicht ob das bei jungen Isländern auch noch so gesehen wird.

In ländlichen Gegenden wird dazu gerne im Außenbereich mit Dingen dekoriert, die das Meer angespült hat. Schwimmkugeln von alten Fischernetzen, Treibholz, Walknochen… Den Leuten fallen schon recht witzige Dinge ein, die man damit machen kann.

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Ein „ganz besonderes“ Stück…..

Nase putzen….

Ich muss es einfach erwähnen, zumal einen KEINER vorher darauf hinweist. Auch wenn man es googelt, findet man so gut wie nichts darüber. Dabei halte ich diese Information für super wichtig, wenn man ein großes Fettnäpfchen vermeiden will:
In Island putzt man sich in Gegenwart von anderen nicht die Nase. Nie. Im Restaurant schon zwei mal nicht. Wenn man sich mal die Nase putzen muss, verlässt man bitte den Raum, damit einen keiner sieht/hört. Was aber immer geht: Nase hochziehen. Egal wo und bei wem. Kräftig den Aufzug benutzen, auch bei Tisch kein Thema.
Für mich war das die erste Zeit nur schwer zu ertragen, noch weniger zu verstehen. Als Kind bekommt man anerzogen, dass sich das nicht gehört. Und hier sitzt man am Esstisch und ständig zieht jemand die Nase hoch. Am liebsten wäre ich rundgegangen und hätte alle mit Taschentüchern beworfen.

Als ich mir vor ein paar Tagen aber eine Erkältung eingefangen habe, habe ich die Chance genutzt und nachgefragt. Also merke: Hochziehen und natürlich das ganze Zeug aus dem Hals husten (oder wie nennt man das, wenn alles nach vorne gezogen wird?) ist die gängige Methode. Aber nicht ausspucken, zum Glück….

Sorry für das Schnodderthema zum Schluss, aber ich glaube das ist der häufigste Fehler, den man als deutscher Tourist in Island machen kann. Der Isländer sagt aus Höflichkeit nichts, ist ja auch nichts, was man Fremden gerne „unter die Nase bindet“…

Wart ihr schon mal in Island und ist euch etwas aufgefallen, was ihr im Vergleich zu eurer Kultur komisch fandet? Ich weiß, als Tourist fällt einem weniger auf, als wenn man eine Zeit lang mit Einheimischen lebt. Aber vielleicht wisst ihr trotzdem noch was, was mir noch nicht aufgefallen ist oder ich hier vergessen habe?

Dies sind alles meine persönlichen Eindrücke. Es ist nicht meine Absicht, jemanden zu beleidigen oder zu diskreditieren.
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10 Gedanken zu „Frau Hase unterwegs… die isländische Kultur (aus deutscher Sicht)“

  1. Bin gerade zurueck aus Island … und ja, dieses Ueberdekorieren ist mir auch aufgefallen. In unserem Ferienhaus war jeder cm der Wand mit Schnickschnack behangen und sogar die Fensterbretter waren mit kleinen Steinen jedweder Art dekoriert. Zum Glueck muss ich da nicht Staubwischen. 😀
    Ansonsten sind wir dort im Sueden eher auf genervte Islaender gestossen. Ich denke, dass liegt daran, dass Island mittlerweile das „IN-Reiseziel“ schlechthin ist und die Einheimischen so ziemlich die Nase voll haben. (Kann das sein?!) Man stolpert aber auch auf Touris an jeder Ecke – und teilweise benehmen die sich so unmoeglich, dass Fremdschaemen angesagt ist.

    Positiv ueberrascht haben mich die Baeckereien mit den vielen leckeren Kleingebaecken. Man weiss ja gar nicht, was man davon zuerst essen soll. Ich koennte mich nur noch von diesen Hunangbollar ernaehren, einfach lecker … und ab und zu einen leckeren Skyr. 😀
    Viel Spass noch in Island! Ivonne

    1. Hey! So schnell vergeht die Zeit…
      Ich glaube dass vor allem die Isländer im Süden die geballte Ladung Touristen abbekommen… Ich bin so weit im Norden und wir bekommen nur einen Bruchteil der Gäste ab, trotzdem hat man jetzt gegen Ende der Saison ein bisschen die Nase voll. Die Gäste kommen entweder viel zu früh oder spät in der Nacht an, haben alles zu bemängeln… Und so viele die kein Englisch können! Natürlich sind nicht alle so, aber leider bleiben einem die schlechten Beispiele länger anhaften… 😦 Dieses Jahr sind in Island 2 Mio Ankünfte zu erwarten, vor 5 Jahren waren es nur 200.000…. Da ist man auch noch nicht ganz drauf eingestellt..

      Leider gibt es hier in meinem Örtchen keinen Bäcker… Aber was ich bisher probiert hab, war lecker. Überhaupt mag ich es, in anderen Ländern Gebäck und überhaupt Süßigkeiten auszuprobieren. 🙂 🙂
      Liebe Grüße
      Natalie

      1. Eine tolle Baeckerei haben wir in Heimaey gefunden gehabt. Falls Du mal in der Naehe bist … ein paar Haeuser weiter von Cafe Gott war die. Ich hab leider den Namen vergessen, ich dachte, es waere Stofor gewesen, kann es aber im Netz nirgendwo finden.
        Das peinliche Benehmen von diversen Touris bezog sich meinerseits nicht nur auf die Freundlichkeit sondern eher den Respekt vor der Natur und den Islaendern. Wenn man sieht, wie da Leute einfach ueber Weidezaeune steigen, um die Pferde zu streicheln … Nee, das geht doch gar nicht! Oder wenn da querfeldein gefahren oder gelaufen wird. Die Natur einfach platt trampeln?! Ich find es beschaemend! 😦

  2. Sehr schön geschrieben und interessant zu lesen 🙂
    Ich kenne auch die Isländer, aber wenn man mit ihnen zusammen lebt, offenbart sich dann wohl noch einiges mehr 😉
    Ich liebe die Isländer trotzdem, oder gerade, weil sie so „anders“ sind…

    1. Danke dir! Ja, das Alltägliche zeigt sich ja erst, wie das Wort schon sagt, im Alltag. 😉
      Und auch wenn der Umgang mit Touristen irgendwie normal geworden ist, verhält man sich doch anders als bei den Leuten zu Hause. 🙂

      1. Hey! Ich bin am Montag zurück nach Deutschland. Vorher bin ich noch etwas gereist. Auch wenn ich es sehr schön fand, freue ich mich doch jetzt wieder zu Hause zu sein. 🙂 Das Wetter ist kühler geworden, aber die sonnigen Tage waren immernoch in der Überzahl.

  3. Ein sehr hübscher Bericht. Beim Schneuzthema musste ich sehr grinsen. In Asien ist es ebenso. Wenn man es nicht weiß macht es einen wahnsinnig. Wie du hätte ich am liebste Taschentücher verteilt 🙂 Liebe Grüße Tutti

  4. Ich will schon seit langem nach Island, bisher noch nicht geschafft. Ein spannender Blick hinter die Kulissen- Danke 😉 Und das mit dem Schnodderthema… Sehr komisch, ich hätte an deiner Stelle auch alle mit Tempos bewerfen wollen *lach* Herzliche Grüße

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